


Behutsam schiebt der laue Abendwind die Flügel der einsamen Mühle vor sich her. Die hölzernen Gelenke ächzen. Grillen zirpen. Das Korn raschelt. Ansonsten ist es still. Mecklenburg kennt noch viele solcher längst verloren geglaubten Postkarten-Motive. Jenseits von Hamburg und Berlin blieb so manches aus der "guten alten Zeit" erhalten, darunter auch die ein oder andere Windmühle.
Weit über 1000 sollen es einmal gewesen sein. In dem sanft gewllten Küstenland mit der steten Brise hat fast jedes Dorf eine. Die Windausbeute war gut und der Bedarf groß. Schließlich galt Mecklenburg-Vorpommern einst als Kornkammer Deutschlands. Es wurde gemahlen und gesägt, geschliffen und gewalkt, Papier hergestellt und Öl gewonnen. Gut 100 Mühlen haben bis in unsere Tage überdauert.
Vielen wuchsen in jüngster Zeit neue Flügel. Gastwirte haben sich in den eigenwilligen Häusern niedergelassen, Handwerker und Galeristen, Maler und Töpfer, Heimatvereine und Museen. In manchen längst abgeschriebenen Gemäuern wird nach liebevoller Sanierung sogar wieder Korn gemahlen. Unbeeindruckt von allem technischem Fortschritt drehen sich die Flügel wie von Geisterhand bewegt und verrichten ohne Hast ihre Arbeit. Nichts kann sie aus der Ruhe bringen, schon gatr nicht die staunende Schaar der Großstädter. Im Gegenteil. Die Gemächlichkeit der Mühle steckt an. Sie macht ihre Besucher gelassener.
Meist handelt es sich um Holländer-Windmühlen. Sie sind seit 1573 bekannt und gelten als der am höchsten entwickelte Windmühlentyp. Er verfügt nämlich über eine Haube, die sich in den Wind drehen lässt. Aufzeichnungen aus dem Kloster Eldena belegen, dass man hier bereits im Mittelalter Korn mit Wind gemahlen hat. Die alte Holzkonstruktionen überdauerten die Jahrhunderte jedoch nicht. Erst später baute man die Mühlengebäude aus festem Material. In dieser Gegend bestand das Fundament oft aus Feldsteinen und der Aufbau aus Backsteinen.
Und während das Dorf im Tal lag, errichtete man die Mühlen wegen der besseren Windverhältnisse auf einem Hügel. Wenn der Müller es sich leisten konnte, baute er ein Wohnhaus oder auch Ställe oder andere Wirtschaftsgebäude dazu. Doch meist reichte es nicht zu einem kompletten Hof. Und so stehen heute noch viele Mühlen mutterseelenallein auf weiter Flur. Plötzlich tauchen sie hinter dem nächsten Hügel zwischen torkelnden Weiden und wogenden Sonnenblumen auf und entzücken den Wanderer. Wie ein großes Spielzeug für das himmlische Kind mutet so eine Mühle an, wie ein Maschinchen zum Zeitvertreib für den Wind.